Gastbeiträge

Eine letzte Chance für Demokratie im Osten?

Deutschland ist vereint, doch die kulturelle Entfremdung ist zu spüren: Politik muss gegensteuern. Möglichkeiten hat sie. Sogar von der DDR kann sie eine Idee übernehmen.

Viele Menschen in Deutschland schütteln den Kopf über das Brexit-Chaos in Großbritannien. Sie fragen: Wie kann sich ein Land so sehr selber schaden? Aber vielleicht sollten wir nicht hochmütig sein. Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg hat ein gutes Viertel der Wähler zwei besonders radikale Landesparteien der AfD gewählt, deren Spitzenleute nachweislich in rechtsextremistischen Kreisen verkehrten. Wenn sie ihre politischen Vorstellungen durchsetzen könnten, würde Deutschland sich in eine illiberale Demokratie verwandeln und wirtschaftlich abstürzen. So weit ist es nicht. Dennoch werden diese Wahlergebnisse negative Folgen haben

Schon heute investieren Unternehmen lieber in anderen Regionen, schon heute finden viele ostdeutsche Betriebe keine Mitarbeiter mehr, klagen die Universitäten über fehlende Bewerbungen aus dem Ausland, bleiben Arztpraxen unbesetzt. Je stärker die AfD ist, desto weniger attraktiv wird der Osten für Fachkräfte und Unternehmen. In einer Region, in der bald jeder Dritte älter als 64 sein wird, ist das Gift. Kurzum: Auch die Wahl der AfD ist ein Schuss ins eigene Knie – ähnlich wie der Brexit.

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