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Deutsche Taugenichtse und italienische Holzpuppen

Kennen Sie die schöne Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“? Der großartige deutsche Romantiker Joseph von Eichendorff verfasste im Jahre 1826 diese lebensfrohe und spannende Geschichte eines jungen Müllersohnes, der lieber in der Sonne lag als dem Herrn Vater tüchtig zur Hand zu gehen und in der Folge dieses frühkapitalistischen Interessenstreits vom Hofe zog, um in der weiten Welt sein Glück zu machen. Ausgestattet mit viel jugendlicher Unbekümmertheit und einer Geige fand der junge Bohemien alsbald durch die Gunst einer schönen Frau eine Anstellung als Gärtner und später gar als Zolleintreiber an einem Hofe bei Wien. Als der Bursche alsbald seine „Allerschönste“ in der Gunst eines Offiziers wähnte, verließ er seinen Zufluchtsort in Wien und zog weiter in Richtung Italien.

Wenn Sie nun denken, das alles klinge irgendwie nach hedonistischen Mittelstandskindern der heutigen Zeit, die als Backpacker nach Sumatra fliegen, irgendwas mit Medien studieren, aber noch nicht einmal Geige spielen können, dann stimme ich ihnen zu. Umso erstaunlicher ist es, dass die Frau Dr. Weidel von der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag während der Generaldebatte zum Haushalt des Bundeskanzleramts „Burkas“, „Kopftuchmädchen“ und „alimentierte Messermänner“ in einem Satz als „Taugenichtse“ bezeichnet hat, was Ihr nicht nur einen berechtigten Ordnungsruf des Bundestagspräsidenten eintrug, sondern auch eine veritable Unkenntnis der deutschen Romantik offenbart. Es sei denn, es war ihre Absicht, jene Leute als angenehme, gut gelaunte und naturbegeisterte Wandersleute darzustellen.

Wie dem auch sei: Der echte Taugenichts kam nach seiner abrupten Abfahrt aus Wien über einige Umwege schließlich in Rom an. Hier wandelte er nach dem Erhalt eines vermeintlichen Liebesbriefes seiner Angebeteten Sehnsüchten und Trugbildern hinterher, um schließlich einsehen zu müssen, dass er auf dem Holzweg ist.

Einige Jahrzehnte später hätte er vielleicht auch Italiens berühmtesten Hampelmann vor Silvio Berlusconi getroffen: Pinocchio. Die lustige Holzpuppe hatte nur ein im politischen Geschäft eher nachteiliges Handicap, denn bei jeder Lüge wuchs ihre Nase ganz beträchtlich. Bei den neuen politischen Entscheidungsträgern in Rom ist nasenmäßig bis jetzt noch nichts ins Auge gesprungen. Aber Europa tut sicher gut daran, den Herren Salvini von der Lega Nord und Grillo von der Fünf-Sterne-Bewegung genau auf die Finger bzw. die Nasen zu schauen, wenn sie demnächst von der europäischen Integration und der gemeinsamen Währung sprechen.

Zurück zu unserem „Taugenichts“: Am Ende erfährt der überglückliche Weltenbummler in Wien, dass seine „Allerschönste“ die Pflegetochter der Gräfin ist und überdies ebenso innige Liebe für ihn empfindet. Zur Hochzeit beschenkt der Herr des Hauses die beiden noch mit einem Schloss samt Garten und Weinbergen.

Und was lehrt uns die Geschichte?
1. Die deutsche Romantik muss vor der AfD geschützt werden.
2. Alice Weidels Vergleiche taugen nichts.
3. Von italienischen Populisten sollte sich Europa nicht an der Nase herumführen lassen.
4. Am Ende gewinnen die Guten.

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